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Wer den Pogo in seiner heutigen Form erfunden hat, ist doch scheißegal! Man sieht z.B. Groucho Marx in einem Film aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts als Professor vor seinen Kollegen auf dem Lehrertisch im klassischen Stil herumpogen, auf derben Folkkonzerten wurde schon im Mittelalter eine Art Pogo getanzt, und in Skandinavien gab es bis ins späte 19. Jahrhundert eine Art "Schulter-Ramm-Tanzen", in dem der berühmte Polarforscher Fritjof Nansen total fit gewesen sein soll. Wenn ich mit solchen Aussagen das kulturhistorische Geschmäcklertum der 77er Punkdogmatiker beleidige, so tue ich das in voller Absicht.
Punk ist chaotische Progression für das dritte Jahrtausend, nicht nur eine Jugenderinnerung für die Jahre 1977-81 (und danach gings für viele Spezialisten ins ach so erwachsene und verantwortungsvolle Spießerleben. Auch hier mag es Ausnahmen geben).
Pogo ist ja das englische Wort für etwa: Austoben - und damit die Toberei nicht in Mord und Totschlag eskaliert, gibt es beim heutigen Pogo einige ungeschriebene Verhaltensweisen, ähnlich dem englischen Common Law.
- Wenn einer zu Boden geht, wird ihm von den anderen Pogotänzern wieder aufgeholfen, außer er war das Vollarschloch oder ist im Koma.
- Es wird nicht direkt geschlagen im Sinne von gezielt schlagen (Etwa Kickboxen), aber beim ausgelassenen Herumgefuchtel mit den Armen und Beinen zum Punkrock erntet die Umgebung sozusagen unabsichtlich Schläge und Tritte, sowie Headbutts und Bodychecks.
- Haareziehen und Beißen sind nicht gerne gesehen.
- Im Prinzip sind alle Formen von Greifen, Ringen, Fegen erlaubt - außer Würgen und Hebeln (das Monopol dafür haben die Cops, vielleicht hat der eine oder andere damit ja schon Erfahrung gemacht)
- Man sollte auch die "Sex Zones", also Eier, Muschis und Titten achten und nicht willentlich angreifen.
- Es sind durchaus Herausforderungkämpfe zwischen Kontrahenten möglich, sie werden aber spätestens im Bodenkampf getrennt.
- Mit unnötiger Härte gegen seine Mitpoger vorgehen macht denen mit Sicherheit keinen Spaß.
- Und was wichtig für die Leser dieses Handbuches ist: Pogotechniken, die aus anderen Kampfkünsten entlehnt sind, sollten unauffällig eingesetzt werden (ihr Angeber) - außer es gibt ernsthaft Streß. Schließlich handelt es sich um eine spaßige Tanz- und Gröhlveranstaltung und kein Sportfestival für ehrgeizige Arschlöcher.
- Dennoch sollte der Pogo seinen Allkampfcharakter behalten und nichts für zimperliche Crossover-Fans sein.
- Ein Wort zum Stagediven: Typisch amerikanisches leistungsreligiöses Phänomen wie Skateboarden und Bungeespringen. Der Stagediver darf sich kurz in den Rang eines Idols (wie die Band) erheben und kehrt mit geschraubten Kunststückchen zum "Bodenpogovolk" zurück, das ihn dann noch vertrauensvoll auffangen soll. Eine sportiv-egoistische, angeberische und vor allem undemokratische Tugend. Meist sind es auch noch Straight-Edger, die sich sowieso für was besseres halten, und sogar anderen militant ihre Lebensweise aufdrängen wollen. Ausnahmen mögen die Regel bestätigen. Zum Stagediven empfehlen manche: ausweichen, wenn einer angeflogen kommt, und ihn dann in die Scherben fliegen lassen, oder wollt ihr etwa seine Saltostiefel küssen?! Andererseits kann das Stagediven den Anschein eines größeren Chaos an der Bühne erwecken, was ja auch ganz lustig sein kann.
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